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Deutscher Volkshochschul-Verband

Rückenwind für Zusammenhalt

Susanne Deß, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Volkshochschul-Verbandes und Geschäftsführerin der Mannheimer Abendakademie, kommentiert das DVV-Positionspapier "Zusammenhalt durch Weiterbildung".

Inzwischen hat es sich herumgesprochen: Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Daueraufgabe. Ankommende und Aufnahmegesellschaft müssen aufeinander zugehen und voneinander lernen, damit Zusammenleben gelingt.

Die Volkshochschulen haben ihr Positionspapier „Bildungsoffensive für Flüchtlinge“ vom Herbst 2015 fortgeschrieben. Denn auf Dauer greift ein Bildungsprogramm zu kurz, das den Blick allein auf Zufluchtsuchende richtet. Bildungsbedarfe hier lebender Menschen lassen sich nicht nach Geburtsland oder ethnischer Zugehörigkeit einteilen. Unter anderem braucht Deutschland flächendeckende Angebote für Grundbildung und Alphabetisierung – für den großen Anteil nicht alphabetisierter Menschen unter den jüngst nach Deutschland gekommenen Flüchtlingen und auch für die 7,5 Millionen funktionale Analphabeten mit und ohne Migrationshintergrund.

Wenn Programme die Bildungsbedürfnisse der einheimischen Bevölkerung und der Zugewanderten gleichermaßen im Fokus haben und gemeinsame Bildungsprozesse initiieren, kann dies die gerechte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in Deutschland erfolgreich fördern. Volkshochschulen stellen sich den Herausforderungen, bekennen sich damit zu ihrem gesellschaftlichen Auftrag und fordern gleichzeitig die Politik auf, ihren Beitrag zu leisten. Bund, Länder und Gemeinden sind gemeinsam dafür verantwortlich, diese Aufgabe anzugehen.

Das aktuelle Positionspapier benennt sieben Handlungsfelder für Weiterbildung im Sinne einer ganzheitlichen und gesamtgesellschaftlichen Integration: Neben Grundbildung und Alphabetisierung schließt dies die Sprachförderung und den Zweiten Bildungsweg ein. Zudem formulieren die Volkshochschulen die Notwendigkeit verstärkter interkultureller Bildung, einer dialogorientierten politischen Bildung sowie einer programmatisch ausgestalteten Gesundheitsbildung. Kompetenzvermittlung für die digitale Wissensgesellschaft ist ein weiterer zentraler Bereich. Diese Themensetzung ist für Volkshochschulen nicht neu. Und die Expertise für ganzheitliche Weiterbildung haben Volkshochschulen ohnehin schon lange. Doch nie zuvor wurde der Grundsatz „Bildung für alle“ so deutlich auf Deutschland als Einwanderungsland bezogen.

Weiterbildung kann den gesellschaftlichen Zusammenhalt entscheidend fördern, wenn sie die Unterscheidung zwischen Einheimischen und Zugewanderten überwindet. Das ist sicher das wichtigste politische Signal der aktuellen Positionsbestimmung.

Herzlichst
Ihre Susanne Deß, stellvertretende DVV-Vorsitzende

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