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Die Welt des Systemischen entdecken

Als Teil des Deutschen Volkshochschul-Verbandes nutzt DVV International regelmäßig die Expertise von Kolleginnen und Kollegen der Volkshochschulen für seine internationale Arbeit.

Jürgen Will, Geschäftsführer der Volkshochschule Pforzheim-Enzkreis, im Interview.

Jürgen Will, Geschäftsführer der Volkshochschule Pforzheim-Enzkreis, reiste 2017 nach Ecuador, um eine Fortbildung zu systemischem Lehren und Lernen für Leiterinnen und Leiter von Schulen und Weiterbildungseinrichtungen durchzuführen.

Herr Will, worum ging es bei der Fortbildung in Ecuador konkret?

Jürgen Will: Der systemische Ansatz geht davon aus, dass jeder Mensch seine eigene persönliche Wahrnehmung von „Welt“ hat und deshalb beim Aufeinandertreffen von Menschen immer auch unterschiedliche Wirklichkeiten aufeinandertreffen. Während der Fortbildung haben wir analysiert, welche systemischen Faktoren beim Unterrichten,bei der kollegialen Praxisberatung, dem Konfliktmanagement oder der Teamentwicklung eine Rolle spielen. Zu diesen Faktoren gehören die Beziehungen zwischen den Akteurinnen und Akteuren sowie die unterschiedlichen Kontexte (familiäre, berufliche, persönliche), in denen die Akteurinnen und Akteure leben und interagieren und die sich überlagern können.

Wir haben uns unter anderem mit lösungsfokussierter Gesprächsführung und wertschätzender Kommunikation beschäftigt. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurdenWerkzeuge an die Hand gegeben, um ihr eigenes Wertesystem und ihre pädagogische Haltung kritisch zu reflektieren und sowohl sich selbst als Lehrende wie auch ihre Lernenden in ihrem ganz persönlichen „So-Sein“ anzuerkennen. Ein zentrales Thema warauch die Wirkung der Körpersprache – als Ergänzung zur rein verbalen Sprache.

Wie sind Sie methodisch vorgegangen?

Jürgen Will: Neben einer theoretischen Einführung in die jeweiligen Methoden, wie Visualisierungstechniken oder lösungsfokussierte Gesprächsführung, haben wirviele praktische Übungen in Kleingruppen durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Übungen wurden anschließend diskutiert. Auch die einzelnen Methoden wurden analysiert und auf verschiedene Kontexte übertragen. 

Ich möchte dieses Vorgehen an einem Beispiel erläutern: Während der Gruppenübungen haben wir uns unter anderem mit „belastenden Sätzen“ aus der Vergangenheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschäftigt, die bis in die Gegenwart hinein wirken und somit auch Verhaltensmuster beeinflussen. In praktischen Übungen lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum einen die Komplexität verbaler, non-verbaler und kontextüberlagernder Kommunikation kennen. Zum anderen spürten sie beim Üben, wie stark kraftvolle eigene Ressourcen im kommunikativen Prozess wirken und auf das eigene Verhalten Einfluss nehmen. Wenn Menschen ihre – oftmals im Unterbewusstsein schlummernden – persönlichen „Kraftquellen“ wie Mut, Selbstvertrauen, Freiheit bewusst aktivieren, können diese bei der Suche nach Lösungen in den verschiedensten Kontexten helfen.

Welche Impulse konnte dieses Training vermitteln?

Jürgen Will: Nach meiner Einschätzung und nach dem Schlussfeedback der Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmersind das vor allem wichtige Impulse für die eigene Arbeitspraxis. Vor dem Hintergrund systemischen Wissenskönnen sie beispielsweise die Inhalte von Lehrerfortbildungen neu ausrichten. Zugleich können sie Erkenntnisse aus der lösungsfokussierten Gesprächsführung – dazugehören: authentisch aktiv zuhören, interpretationsfreibleiben und wertschätzend fragen – nutzen, sei es bei kollegialen Gesprächen, in Bildungsberatungsgesprächen oder bei der Kommunikation mit Lernenden.

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