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Deutscher Volkshochschul-Verband

Junge Zugewanderte werden fit für mittelrheinische Betriebe

Jugendintegrationskurse der vhs Neuwied: 90 Prozent bestehen

Ökologische Bildung steht mit auf dem Programm.

Meike Pfeiffer, Fachbereichsleiterin für Integration an der vhs Neuwied, hat täglich etwa 170 junge Leute im Haus. Das genießt sie. Und sie findet es wichtig, dass diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen Unterricht im Gebäude der vhs bekommen, dort, wo auch sie und die anderen Mitarbeiter*innen der Volkshochschule sitzen. „Diese Kurse können wir nicht auslagern“, sagt sie. „Die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer brauchen unser Haus und unsere Präsenz“.

Wie so viele Volkshochschulen in Deutschland ist die vhs Neuwied ein bedeutender Anbieter von Integrationskursen, aber im Unterschied zu den Volkshochschulen in der Umgebung wendet sie sich damit vor allem an Menschen zwischen 16 und 26 Jahren. 80 Prozent der Integrationskurse sind hier Jugendlichen und jungen Erwachsenen vorbehalten. Zurzeit sind dies mehrheitlich junge Leute aus Syrien, der Ukraine und Afghanistan. Vertreten sind aber zum Beispiel auch Kosovar*innen und Spätaussiedler*innen aus Russland, die in Neuwied einen starken Bevölkerungsanteil stellen.

In den Jugendintegrationskursen stehen 900 Unterrichtsstunden zur Verfügung, um Deutsch zu lernen, während die Teilnehmer*innen der allgemeinen Integrationskurse mit 600 Unterrichtsstunden auskommen sollen. Das höhere Stundenkontingent trägt den großen Belastungen Rechnung, die sehr junge, manchmal unbegleitet nach Deutschland gekommene Menschen zu bewältigen haben. Das zahlt sich aus, beobachtet Meike Pfeiffer: Gut beraten und unterstützt, können die jungen Leute die natürlichen Lernvorteile, die sie gegenüber Älteren haben, nutzen. Die Fortschritte, die sie innerhalb kurzer Zeit machen, seien frappierend, berichtet die Fachbereichsleiterin. Viele Teilnehmer*innen kommen aus Bürgerkriegsländern, wo sie nur unter Schwierigkeiten die Schule besuchen konnten – oder auch gar keine Schulbildung erhielten. Im Jugendintegrationskurs holen sie dann häufig sehr schnell auf. Ihre Lernfähigkeit und das relativ hohe Stundenkontingent machen den Besuch eines Zweitschriftlernerkurses meist überflüssig: Auch diejenigen, die in der lateinischen Schrift noch unsicher sind, erlernen Deutsch in Wort und Schrift. Die Bestehensquote in den Neuwieder Jugendintegrationskursen habe in den letzten Jahren immer bei mindestens 80 Prozent gelegen, freut sich Meike Pfeiffer. 2023 wurden sogar 90 Prozent erreicht.

vhs ist eine Art Elternhaus

Die Volkshochschule tut viel, um diese Erfolge zu ermöglichen. Die Teilnehmerzahl in Jugendintegrationskursen wird auf jeweils 17 beschränkt. Teamteaching ermöglicht es den Lehrkräften, sich auf die völlig unterschiedlichen Werdegänge und Profile der jungen Leute einzulassen: Neben Personen ohne Schulbildung sitzen oftmals auch junge Frauen und Männer mit Hochschulabschluss in den Kursen.  Nicht alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen verhalten sich von vornherein diszipliniert, manchmal gibt es heftige Konflikte zwischen ihnen. Die Teamteacher haben Erfahrung im Umgang damit, die Fachbereichsleiterin schaltet sich bei Bedarf jederzeit ein. Eine Sozialberaterin von der Caritas unterstützt sie zweimal pro Woche. In gewisser Weise muss die vhs den jungen Leuten, die häufig erst seit sehr kurzer Zeit in Deutschland sind, das Elternhaus ersetzen, sagt Meike Pfeiffer.

Neben dem Spracherwerb steht für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen bürgerschaftliche Bildung auf dem Programm. Dazu gehört nicht nur der Besuch im Bonner Haus der Geschichte, sondern auch Projektlernen an besonderen außerschulischen Lernorten: z.B. der Mülltrennungsanlage in Linkenbach. Dabei entsteht nicht nur ökologisches Bewusstsein, sondern auch Kunst.

vhs und Unternehmen ebnen Wege in den Beruf

Das wichtigste Ziel des Jugendintegrationskurses ist es, schulische und berufliche Perspektiven zu eröffnen. Die Lehrkräfte in den Jugendintegrationskursen verfügen bereits über ein weites Netzwerk an Neuwieder Unternehmen und können so ihren Teilnehmer*innen Praktika vermitteln. Maßgeblich sind dabei die Fähigkeiten und Interessen der jungen Leute. Praktikant*innen aus den Jugendintegrationskursen sind in verschiedensten Branchen tätig: bei Bäckereien und Gärtnereien, in Autowerkstätten, bei Anwaltskanzleien oder Zahnarztpraxen, in Kindertagesstätten und bei der Feuerwehr. Im besten Fall können die Teilnehmer*innen bereits während des Praktikums überzeugen und sich damit einen späteren Ausbildungsplatz sichern. Können die Unternehmen, mit denen die vhs schon lange zusammenarbeitet, keinen passenden Praktikumsplatz anbieten, so suchen Meike Pfeiffer und ihre Kolleg*innen weiter. Sie haben den Arbeitsmarkt in Neuwied und Umgebung im Blick, pflegen Kontakte, besuchen Azubi-Messen. Die vhs-Mitarbeiter*innen zeigen ihren jungen Teilnehmer*innen auch, wie sie im Berufsinformationszentrum selbst Wege in den Beruf kennenlernen können.

Die Neuwieder Unternehmer*innen interessieren sich für die potenziellen Azubis, und viele der jungen Leute gehen mit Elan in die Ausbildung. Oft brauchen sie allerdings in der Berufsschule weiter zusätzlichen Sprachunterricht. Dafür ist in Neuwied ebenfalls die vhs zuständig. Meike Pfeiffer und ihre Kolleg*innen arbeiten bereits im Rahmen der Berufsvorbereitungsjahre mit Berufsschulen zusammen. Demnächst soll die Kooperation noch enger werden: Mit der vhs als Partner wollen die Neuwieder Berufsschulen spezielle Deutschklassen einrichten.

Die Volkshochschule hat auch ein Anschlussangebot für diejenigen, die nach Abschluss des Jugendintegrationskurses erst einmal einen deutschen Schulabschluss erlangen wollen, um dann auf dem Arbeitsmarkt bessere Chancen zu haben: In diesen Fällen sorgen Meike Pfeiffer und ihre Kolleg*innen für den reibungslosen Wechsel in den Lehrgang zum Nachholen der Berufsreife beziehungsweise des Hauptschulabschlusses.

Neuwied ist eine überschaubare Stadt. Meike Pfeiffer trifft immer wieder ehemalige Teilnehmer*innen und kann sich über erfolgreiche Werdegänge freuen. Besonders gefreut hat sie sich neulich bei einer Begegnung auf der Personalversammlung der städtischen Bediensteten. Auch die Kommunalverwaltung hat Bedarf an motivierten jungen Auszubildenden und Mitarbeiter*innen, und so sind ein paar ihrer Teilnehmer*innen jetzt ihre Kolleg*innen.


#zukunftsort_vhs – Volkshochschule als Ort der Demokratie

vhs macht die Gesellschaft zukunftsfähig, überall in Deutschland. Wir zeigen Ihnen, was Volkshochschulen von Aurich bis Zittau tun, um demokratische Werte zu verteidigen und das Leben der Menschen vor Ort zu verbessern. 


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